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23.06.2010
Niedersachsen auf dem Weg zur barrierefreien Sprache

'Bei uns ging die Forderung nach mehr Leichter Sprache von uns selbst aus', so begann Josef Ströbl von 'Mensch zuerst' aus Kassel seinen eindrucksvoll und mit Kraft vorgetragenen Bericht über die Arbeit des Netzwerkes für Leichte Sprache in Deutschland.

Zeitungslesender Passant. Bild: T. Voekler, Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.Bei der ILSN Fachtagung 'Leichte Sprache barrierrefrei für viele!' im Haus der Region Hannover hörten und diskutierten 90 Personen kürzlich informative und streckenweise sehr aufmunternde Vorträge. (aewb-nds.de)

Bror Tronbacke, Direktor des Centrum Lättläst in Stockholm (www.lattlast.se) verdeutlichte das Recht auf Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger an Literatur und Information in demokratischen Staaten. Die schwedische Regierung finanziert die Stiftung mit ca. 1,5 Millionen Euro, also etwa 50 Prozent des Jahresumsatzes. Dies gibt es, wie im Verlauf der Tagung deutlich wurde, in keinem anderen Land der Welt.

Krimis, Liebesgeschichten, Weltliteratur, viele Sachbücher und die Zeitung '8 Sidor' sind 'LL', also 'Leicht Lesbar' und zu erschwinglichen Preisen kaufen. Auch Behördeninformationen und Webseiten müssen in verständlicher Sprache angeboten werden. Das Bewusstsein für diese Notwendigkeit steigt, auch wenn noch zu wenige Formulare leicht lesbar gestaltet werden.

Mittags folgte der unterhaltsame Vortrag von Ralf Beekveldt, Direktor und Herausgeber von 'Eenvoudig communiceren' (= 'einfach kommunizieren') aus Amsterdam, einem privaten Verlag mit einem Ableger in Deutschland (www.spassamlesenverlag.de) Er gibt sechs Zeitungen, u. a. 'Klar und deutlich' und viele einfach geschriebene Bücher heraus. Er erläuterte wie wirtschaftlich bedeutsam es weltweit ist, Menschen mit Leseschwierigkeiten nicht auszugrenzen.

Heute steht Arbeitslosigkeit oft mit benötigter Lese- und Schreibfähigkeit am Arbeitplatz in Zusammenhang. Ganz anders als in Schweden wird in den Niederlanden das Bewusstsein für einfache Sprache stark durch eine Lesestiftung gefördert, deren Präsidentin eine engagierte Prinzessin ist.

Auch die Beteiligung von Testlesern stellt man sich in Schweden und den Niederlanden anders als in Deutschland vor, wie es Tagungsgäste auf ihre Fragen hin erläutert bekamen. Die Büros für Leichte Sprache aus Osnabrück, Bremen, Hamburg waren ebenso zur Tagung angereist wie zahlreiche Behindertenbeauftragte, VerbandsvertreterInnen und Werkstattmitarbeiter.

Als Mitglieder der Initiative 'Leichte Sprache Niedersachsen (ILSN)', die Veranstalter der Tagung war und bei der die Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung, die Behindertenbeauftragten der Region Hannover und des Landes Niedersachen sowie die VHS Hannover mitarbeiten, stellten Karl Finke und Ulrike Ernst die 'Hannoversche Erklärung' zu weiteren Aktivitäten vor. Besonders hervorzuheben war dabei die Forderung, in Beiräten mit allen Betroffenen zusammenzuarbeiten und dafür mehrheitlich auch Menschen mit Bedarf an Leichter Sprache auszuwählen.

(Quelle: Behindertenbeauftragter des Landes Niedersachsen)

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